Lippischer Pickert

Manchmal habe ich diese Momente, in denen mich Erinnerungen an längst vergangene Genüsse befallen. Dann möchte ich unbedingt noch einmal Wackelpudding essen oder eine Leckmuschel lecken. Ich möchte Klöße und Sauerbraten essen, und zwar haargenau so, wie meine Mutter sie immer gemacht hat. Oder das Kalbspörkölt in dem kleinen ungarischen Restaurant in der Nachbarschaft meiner Großmutter. Ich bin bis heute überzeugt, nie wieder in meinem ganzen Leben so köstliches Fleisch, so wunderbare hausgemachte Nockerln, so fantastischen Gurkensalat gegessen zu haben.

Wenn es das Restaurant noch gäbe, würde ich möglicherweise feststellen, dass damals alles nur deshalb so gut schmeckte, weil ich es mit dem unerfahrenen Gaumen einer Vierzehnjährigen kostete, und weil ich Ferien hatte und umgeben war von meiner ganzen Familie. Aber vielleicht wäre auch alles immer noch so wunderbar wie damals und ich würde in Erinnerungen und Köstlichkeiten schwelgen, wer weiß das schon?

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Neulich befielen mich wieder so merkwürdige Gelüste. Plötzlich hatte ich den Geschmack eines Pickerts auf der Zunge, der westfälischen Reibekuchenvariante. Ich dachte daran, wie meine Mutter so einen Pickert beim Bäcker gekauft hatte (ich kann mich nicht erinnern, dass sie ihn mal selbst gemacht hätte; sie stammte nicht aus Westfalen und hielt sich eher an die Rezepte ihrer sächsischen Heimat) und wie wir an unserem Esstisch saßen und alle davon probierten und ihn ganz wunderbar fanden.

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Also machte ich mich auf die Suche nach Rezepten, und heute gab es nun Pickert bei mir. Ich entschied mich für ein Rezept, das recht wenig Zucker enthält. Die Rosinen ließ ich weg, weil ich sie nicht mag. Optisch sah mein Pickert haargenau so aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte: ein dicker, fetter, Pfannekuchen. Geschmacklich … nun ja, er ist gelungen, keine Frage. Aber irgendetwas fehlte. Vielleicht waren es die Rosinen. Oder die Tatsache, dass ich mich recht kühn dafür entschied, einen Salat mit Früchten und Käse dazu zu machen. Traditionell isst man zum Pickert grobe Leberwurst oder aber Butter und Marmelde bzw. Rübensirup. Auf Leberwurst stehe ich so gar nicht, aber Marmelade oder Sirup wären vielleicht doch besser als mein Salat gewesen. Besser im Sinne von: näher dran an den Kindheitserinnerungen. Aber ich weiß nicht, ob man es überhaupt jemals schaffen kann, den Geschmack der Vergangenheit wiederbeleben zu lassen. Immerhin, von Zeit zu Zeit probiere ich es.

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Farben

Mein Balkon befindet sich gerade in seiner violetten Phase – für mich die schönste Zeit im Jahr.

Neustart

Ich kann kaum glauben, wie lange hier Pause war – so lange, dass ich erst mal mein Passwort neu ordern musste, weil ich das alte vergessen hatte. Ob ich das Blog dauerhaft zu reaktivieren vermag, weiß ich nicht. Es war gut und wichtig in schwierigen Zeiten. Jetzt sind andere Dinge wichtig.

Immerhin habe ich in den letzten Wochen viel fotografiert; immer noch mit meiner uralten Canon, die kaum mehr Pixel hat als ein Handy. Zwischenzeitlich dachte ich mal, sie würde dahinscheiden, aber nichts da, die alte Lady ist wieder in Schwung gekommen und hat das nervöse Zittern ihrer Elektroden überwunden.

 

In den vergangenen Tagen habe ich eine kleine Reise gemacht und den Frühling in den Schweizer Bergen erlebt. Es ist Ewigkeiten her, seit ich das letzte Mal so intensiv in die Natur eingetaucht bin. Und ich stelle fest: Das sollte ich viel öfter machen. Es reinigt den Geist und erfrischt den Körper.

 

Blaue Stunde

Hier war es lange still. Das liegt daran, dass ich viel arbeite und zudem den Sommer genieße und viel unterwegs bin. Auf meiner Festplatte horten sich die Fotos wunderschöner Hamburg-Momente, aber ich komme nicht dazu, sie zu bearbeiten und zu posten. Nun ja, ich denke, es gibt schlimmere Sorgen im Leben.

Ich genieße diesen wundervollen, sonnigen und warmen Sommer. So einen schönen Juli hatten wir lange nicht mehr. Ständig werden Gewitter angekündigt, die dann entweder doch nicht kommen oder so klein und harmlos sind, dass man sie mit einem Achselzucken abtun kann. Für die Natur sind die gelegentlichen Regengüsse auf jeden Fall gut. Die Platanen in der Einkaufsstraße in meiner Nachbarschaft lassen teilweise schon sehr die Blätter hängen.

Dieses Wochenende sind in Hamburg Cruise Days – da laufen etliche der Kreuzfahrtriesen ein und gemeinsam wieder aus. Der Hafen ist blau erleuchtet und abends gibt es Feuerwerk. Das Ganze bei ungewohnt milden Temperaturen, die wir Nordlichter kaum kennen. Eine wunderschöne, sehr besondere blaue Stunde.

Der blaue Hafen

Auslaufparade der Kreuzfahrtschiffe

Die Queen

Da wollte ich nur mal kurz frische Luft schnappen und ein paar Schritte ans Wasser gehen, und dann so was: Auf halber Höhe zur Elbe vernahm ich ein lautes, durchdringendes Tuten und dachte noch: Na, das muss aber ein Riesenpott sein, der da so dröhnt. Und als ich dann am Fischmarkt um die Ecke bog, schob sich keine andere majestätisch die Elbe entlang, als die Queen Mary 2. Still und leise und nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit verließ sie den Hamburger Hafen.

Die Zeiten, in denen tausende Schaulustige selbst zu nachtschlafender Zeit die Ufer säumten, es zu Verkehrsstaus kam und man viel Geld bezahlen musste, damit man die vornehme Dame in einem der Beiboote ein Stück die Elbe hinab begleiten durfte, sind lange vorbei. Ich freute mich trotzdem noch an ihrem überraschenden Anblick. Die Queen ist zwar längst nicht mehr das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, aber das schönste bleibt sie allemal.

Glücksmomente

Immer wieder erfreue ich mich an herrlichen Begegnungen auf dem Wochenmarkt. Neulich etwa, als ich nach dem Einkaufen in einem Café zu Mittag aß und plötzlich von einer Frau angesprochen wurde: „So sieht man sich wieder.“ Ich brauchte einen Moment, bis ich das Gesicht zugeordnet hatte und wusste, dass die Frau mich vorhin noch an einem der Gemüsestände bedient hatte. Mir war nicht bewusst, dass sie sich mein Gesicht gemerkt hatte – vielleicht sogar schon lange zuvor von meinen zahlreichen Einkäufen an ihrem Stand – und ich freute mich sehr darüber.

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Oder heute, als ich an einem anderen Stand einen prachtvollen Strauß Levkojen erstand und der Händler mir, weil es kurz vor Feierabend war oder ich ihn so freundlich anstrahlte oder die Sonne so schön schien, einen Strauß Rosen dazuschenkte. Die Rosen sind nicht mehr ganz frisch und der Händler hätte sie sicher nicht mehr verkaufen können, aber ich freute mich wie ein Kind über dieses überraschende Geschenk. Und wann immer ich diesen Strauß anschaue, werde ich nun an diesen Mann denken …

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Seele baumeln lassen

Weil das Wetter vergangene Woche so schön war, fuhr ich spontan einige Tage an die Ostsee. Obwohl Hamburg Schulferien hatte, war kaum etwas los. Ich hatte die Strände für mich allein und konnte bei stundenlangen Spaziergängen und langen Radtouren wunderbar entspannen. Eine echte Auszeit für die Seele!

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